Lehmlese
Die Lehmlese ist ein Blick in die Werkstatt des Forschungsprojekts „Mitteldeutsches Lehmbauerbe – erfassen, verstehen, transformieren“. Wir stellen euch ein Dokument oder einen Gegenstand aus der langen Geschichte des Lehmbaus vor, auf die wir uns bei unseren archäologischen, geschichts- und bauwissenschaftlichen Recherchen gestoßen sind. Wir rekonstruieren den zeitlichen Kontext, in dem der Fund entstand, sagen, welche Bedeutung er für unser Projekt hat und diskutieren seine Relevanz für die Gegenwart des Lehmbaus.
Lehmlese der Woche
Die transnationale Wiederbelebung wissenschaftlich fundierter Lehmbaukunst im Zeichen der europäischen Aufklärung: Francois Cointeraux, Christian Ludwig Seebaß und der Stampflehm
Im Jahr 1801 legte der Leipziger Philosophie-Professor Christian Ludwig Seebaß die Übersetzung eines Buches vor, das der Architekt Francois Cointeraux kurz vor in Frankreich veröffentlicht hatte. Es kann als Gründungsdokument der transnationalen Wiederbelebung einer wissenschaftlich fundierten Lehmbaukunst gelten, die in der Antike selbstverständlich gewesen war, im Mittelalter aber weitgehend vergessen wurde.
Für das Projekt „Mitteldeutsches Lehmbauerbe“ ist das mit Stichen illustrierte Buch ein Schlüsseltext, denn schon seine Einleitung, unser Quellenfund der Woche vom 12. Oktober 2026, weist auf drei Dimensionen hin, die das Phänomen Lehmbau bis heute prägen:
- Eine weit verbreitete auf Vorurteilen und Unkenntnis basierende Ablehnung von Lehmbau
- Lehmbau als Alltag in vielen europäischen Regionen und der Hochkulturen der Antike
- Lehm als Baustoff der Zukunft, der preiswerten und gesunden Wohnraum schafft
Neugierig geworden? Hier kann man in das Buch hineinschnuppern.
© Dominik Rigoll (GOLEHM Halle)