HyRaEarth: Ökologische Möglichkeiten der Hydrophobierung von Stampflehm

07/2025-06/2027

Lehm zählt zu den ältesten und nachhaltigsten Baustoffen.  Da Lehm im Gegensatz zu hydraulischen Baustoffen und Geopolymeren jedoch nur durch Trocknung erhärtet, ist seine geringe Witterungsbeständigkeit ein Nachteil. Ohne entsprechende Schutzmaßnahmen verliert Lehm bei länger anhaltender Exposition gegenüber flüssigem Wasser seine Festigkeit, was zu Schäden bis hin zum Einsturz von Gebäuden führen kann. Um Lehm vor Nässeeinwirkung zu schützen, werden traditionell konstruktive Maßnahmen oder Putze und Beschichtungssystemen eingesetzt.  Insbesondere in den Ländern des globalen Südens wird der Baustoff auch häufig mit traditionellen und modernen Mitteln oder Zuschlägen hydrophobiert und stabilisiert. 
Um das Einsatzgebiete von Lehmbaustoffen im Außenbereich weiter auszubauen, soll im Rahmen des Forschungsvorhabens der Ansatz der Hydrophobierung von Stampflehmwänden weiterentwickelt werden. Der Fokus liegt dabei auf den ökologischen Aspekten (Wiederverwertbarkeit, Schadstofffreiheit und toxikologische Unbedenklichkeit) der eingesetzten Hydrophobierungsmittel um den natürlichen Charakter und die Kreislauffähigkeit von Lehmbaustoffen erhalten.

Im Verlauf von zwei Jahren sollen vielversprechende Hydrophobierungsmittel für massive Stampflehmwände identifiziert und mithilfe von Freibewitterungsversuchen und Laborprüfungen ergebnisoffen auf ihre Eignung geprüft werden. Zu den geplanten Untersuchungen gehören Frost-Taubeständigkeit gegenüber Referenzsystemen und die hygrischen Kennwerte der hydrophobierten Lehmbaustoffe (Sorptionsisotherme, Wasseraufnahme). Zusätzlich wird die Festigkeit verschiedener Systeme in Abhängigkeit der Wasseraufnahme und der Materialabtrag über den Untersuchungszeitraum untersucht. Abschließend wird die Ästhetik des Baustoffs sowie seine Rezyklierbarkeit evaluiert.

Die Forschung an der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung trägt dazu bei, Lehm als Baustoff mit langer Tradition und auch für künftige Einsatzgebiete aufzubereiten und damit Perspektiven für den Wandel zu mehr nachhaltigem und kreislaufgerechtem Bauen in der Region des GOLEHM-Bündnisses aufzuzeigen.

Vier ausgeschalte Lehm-Prismen im Wasserband. Unbehandelte Referenz (links) zum Vergleich. Foto: T. Manninger, BAM